Eikon #88, Im Fokus - Eine Hommage an das Analoge

THE ANALOG TURN

Ruth Horak

 

Mit den sukzessiven Produktionsstopps von analogen Foto­apparaten und Filmmaterial setzte im Kunstbetrieb eine weit-reichende Reflexion über die für Fotografie und Film so grund-legenden Prozesse und Materialien des Analogen ein. Das Analoge ist seither nicht mehr nur Technik, sondern gleichzeitig auch Motiv und Thema. Im Folgenden wird ein Überblick darüber gegeben, wie sich das Analoge als Motiv in aktuellen künstlerischen Arbeiten manifestiert, was typisch analog ist und wie die analoge Fotografie in Erinnerung bleiben wird.

[…]

 

2008 überraschten Pascal Petignat und Martin Scholz mit einer Ausstellung, die den Titel „Das letzte Labor“ trug. Auf der Ein­ladung war der dilettantische Schnappschuss einer herunter­gekommenen, offensichtlich ausgedienten und ausrangierten Maschine zu sehen; der auf der Vorderseite aufgedruckte Markenname „ILFORD RAPID R200“ verriet, dass es sich um eine kaputte Entwicklermaschine aus den 1980er Jahren handelte. Die Ausstellung hielt, was die Einladung versprach: Durch eine Lichtschleuse gelangte man in den ersten Aus­stellungsraum und fand sich in einem unglaublichen Chaos wieder. Der Boden war voller Laborabfälle: leere Entwickler­flaschen, Filmrollen, Schutzpapiere von Rollfilmen, fleckige Prints, Teststreifen, Verpackungsmaterialien und vieles mehr. Zufällig war ich alleine dort und kam mir vor, als wäre ich ille-gal in eine aufgelassene Fabrik eingedrungen, in der alles wie nach einem überstürzten Auszug herumlag.

[…]

 

Vom „letzten Labor“ zu sprechen war eine radikale Geste. Gleichzeitig häuften sich Nachrichten in der Tagespresse (2007­–2010), die das Ende zahlreicher analoger Materialien ankündigten. Kodak stellte sukzessive Teile der Produktion ein, Polaroid stoppte 2007 die Herstellung von Kameras, 2009 die Herstellung von Filmen, Ilford forderte seine Kunden auf, bis November 2011 letzte Papier­bestellungen aufzugeben, 2010 schloss das letzte Labor für Kodachrome-Filme in Kansas. […] Allerseits wurde über die vielen Produktionsstopps reflektiert, und der „last print“ kann als Synonym für viele letzte Gelegenheiten gelten.

 

Die konzeptuelle Fotografie ist um ein Motiv reicher geworden: das Analoge.

 

Das letzte Labor ist nur eine von vielen Arbeiten, die das aufzeigten. Die Beispiele reichen von den versteckten Farben der licht­empfindlichen Emulsionen bis hin zur Sprengung von Gebäuden im Kodak Park von Rochester. Viele Arbeiten sind dokumentarisch-sachlich. Einfache Gegenstände oder Situationen aus der unmittelbaren Umgebung werden unemotional inszeniert und systematisch aufgenommen.

 

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THE ANALOG TURN

Ruth Horak

 

Now that the production of analog cameras and film material is ceasing item by item, in the art industry a broad reflection on analog processes and materials, so fundamental to photo­graphy and film, is beginning. The analog is no longer merely a form of technology but at the same time motif and theme. The following is intended to provide an overview of how the analog is manifested as a motif in contemporary artistic works, what is typically analog and how analog photography will be remem­be­red in the future.

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In 2008 Pascal Petignat and Martin Scholz surprised people with an exhibition bearing the title Das letzte Labor (the last laboratory). The invitation bore an amateurish snapshot of a run-down, clearly disused machine: the brand-name ILFORD RAPID R200 printed on its front revealed that it was a broken-down processor from the 1980s. The exhibition contained what the invitation promised: through a light trap you ente- red the first room of the exhibition, and found yourself in an incredible chaos. The floor was covered with laboratory waste: empty developer bottles, rolls of film, protective paper from roll films, spotty prints, test strips, packing materials and much more. I happened to be there by myself and I felt as though I had broken illegally into an abandoned factory, where every-thing lay about as if there had been a hasty departure.

[…]

 

To talk of “the last laboratory” was a radical gesture. At the same time, between 2007 and 2010 news items in the daily press piled    up, announcing the end of many kinds of analog materials. Kodak successively ceased parts of production, Polaroid stopped making cameras in 2007 and in 2009 the manufacture of films, Ilford called  on its customers to place their final orders by November 2011. In 2010 the last laboratory for Kodachrome films shut its doors in Kansas. […] In many places people were reflecting on the many

stops of production and the “last print” can be seen as a synonym

for many final opportunities.

 

Conceptual photography was now richer by one motif:

the analog

 

Das letzte Labor is just one of many works that demonstrated that. The examples range from the hidden colors of light-sensitive emul-sions to the blowing up of buildings in Kodak Park in Rochester.

Many works are documentary and objective. Simple objects or situations from the immediate environment are laid out unemotio-nally and systematically photographed.

 

 

 

 

 

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EIKON # 88 (2014), Dt./Engl.

ISBN | 978-3-902250-78-0
88 Seiten

Preis: € 14,00 (inkl. 10% USt)

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© Ruth Horak