Sissa Micheli, Tanz der Diplomatie

Die italienische Botschaft in Wien lud zum „Tanz der Diplomatie“

Ruth Horak

 

Eine Menschentraube vor dem Eingang gilt als Indikator für ein gefragtes Event. Am 22. April hatte sich am Rennweg 27 eine solche gebildet und auf Einlass zur Ausstellung von Sissa Micheli im Palais Metternich gewartet. Auf Initiative des Kurators Marcello Farabegoli und des Botschafters Giorgio Marrapodi bestritt die gebürtige Südtirolerin den Auftakt zu einer kontinuierlichen Präsentation italienischer GegenwartskünstlerInnen in der Botschaft.

 

Entsprechend subtil reagierte Sissa Micheli auf die Situa­tion. Im Treppenhaus empfing sie uns mit einem Porträt des ehemaligen Hausherrn, Klemens Wenzel Lothar von Metternich. Sein Gesicht war als Variation in Pink auf eine römische Büste projiziert – ein kleiner Eingriff, der jedoch bereits viel von dem vorwegnahm, was die BesucherInnen in der Belle Etage erwartete: eine Reflexionen auf das Ge­bäude und seine Besitzer, auf Architektur und Ausstattung des frühhistoristischen Palais sowie auf die politische Diplomatie Metternichs als Leiter des Wiener Kongresses 1814/15.  

 

Gleich einem diplomatischen Tanz hat Sissa Micheli das historische Ambiente buchstäblich Raum für Raum für die zeitgenössische Kunst erschlossen. Sieben Repräsentations­räume mit ihren reichen Wand- und Deckenverzierungen, ihren monumentalen Lüstern, dem vergoldeten Stuck, Statuetten und Gemälden wurden zum Ausgangspunkt für Michelis mediale Interventionen. Wie es ihre Art ist, hat sie eine Choreografie für die Räume geschrieben, die in einer zentralen Installation kulminiert: Im verdunkelten Festsaal drehen sich Details der Decke, der Lünetten und Lüster auf fünf freistehenden, kreisrunden Projektionsschirmen. Langsam, nicht synchron, vielmehr wie selbständige Tanz­paare drehen sie sich im Takt zum Haydn-Trio No. 16 in D-Dur, live vorgetragen von Ernesto Insam (Cello), Luca Lavuri (Klavier) und Yury Revich (Violine) und in der gesampelten Version  von Valeria Merlini. Man darf sich an „die Bedeu­tung des Tanzes und des Balls für den Wiener Kongresse“ erinnert fühlen, beschreibt Farabegoli.

 

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Weiterlesen in: Kunstgeschichte aktuell, 2/15

www.kunsthistoriker.at

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© Ruth Horak