Richard Kriesches "Zuschauervermehrung", London 1971

In einer seiner frühesten Aktionen, der Spectrum Exhibition 1971 in London, saß Richard Kriesche auf einem an der Wand montierten Stuhl. Zusätzlich war das Sujet "sitzender Kriesche" als Bildfeld durch einen Rahmen gekennzeichnet. Von diesem erhöhten Standpunkt aus, fotografierte Kriesche die Ausstellungsbesucher (unter ihnen auch John Lennon und Yoko Ono) mit einer Sofortbildkamera und steckte die Polaroids an seinen Rahmen.

Richard Kriesche hat den Ausstieg aus dem Bild wörtlich genommen. Alles ist verkehrt: der Autor ist das  Bild, er fotografiert seine Betrachter, die sich selbst in einem Bildfeld wiederfinden und somit zum gerahmten Bild werden. Das "Bild" ist aktiv, Zwei- und Dreimimensionalität sind verkehrt; die Fotografien, die entstehen, sind außerhalb des Rahmens. Indem er Realität und Abbild nebeneinander zulässt, wendet sich Kriesche gegen traditionelle künstlerische Begriffspaare wie Objekt und Abbild, Material und Immaterialität, Konzept und Ausführung, vielmehr thematisiert er die festgeschriebene Rolle von Betrachter und Künstler und formuliert dabei eine vielschichtige Repräsentationskritik.

 

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© Ruth Horak