Karl Valentin & Lisl Karstadt, Im Photoatelier, Kurzfilm 1932, ca.23 Min.

Im selben Jahr, als Walter Benjamin seine kleine Geschichte der Photographie schrieb, nahm Karl Valentin seinen Sketch „Im Photoatelier“ auf. Schauplatz ist ein Photoatelier mit großen Dachflächenfenstern und Requisiten, wie es für die damalige Zeit um 1930 charakteristisch war. Karl Valentin und Lisl Karstadt sind bei einem Photographen in der Lehre. Der Meister muss für zwei Tage verreisen und instruiert seine beiden unwilligen Assistenten, wie sie das Geschäft in seiner Abwesenheit zu führen hätten.

In der Anfangsszene ereifern sich die drei über eine Fotografie. Der Meister beschwert sich über die schlechte Entwicklung der Porträtaufnahme und ordnet seinen Assistenten an, diese zu wiederholen und den Kunden dazu ein weiteres Mal ins Atelier zu bestellen. Die beiden sind entsetzt, da sie den Kunden als äußerst schwierig in Erinnerung haben, und versuchen abzuwimmeln. Als der Photograph davon jedoch nichts wissen will, kontert Valentin so überzeugend, dass er alles,  was man über Indexikalität und über die enge Beziehung der Fotografie zu ihrem Referenten sagen möchte, besser auf den Punkt bringt, als es jede theoretische Erklärung könnte. Es ist ein wunderbares Paradoxon, ein Einwand, der so unerwartet und so wunderbar unschuldig aus dem Mund des Fotografen-Assistenten kommt, dass man ihn sich auf der Zunge zergehen lassen muss:

„Ah, der. Den kenn ich gut. Der braucht nimmer zu kommen. Den fotografier‘ ich auswendig.“

 

Filmstill aus "Im Photoatelier", 1932
Filmstill aus "Im Photoatelier", 1932
Filmstill aus "Im Photoatelier", 1932
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© Ruth Horak